ExChampionTo Aurora & Attaboy Ben! Pt.1
ExChampion ist Kabelsalat. Kantige Synthie-Sounds sind eng verknotet mit trickreichen Schlagzeug-Beats die den Hörer in ein dichtes Netz eingarnen. Der Münsteraner Benjamin Kövener, der als ExChampion hier die Strippen zieht, möchte die Fäden und Kabel aber gar nicht entwirren. So lang das eine Ende im Keyboard steckt und das andere im Bassamp glüht wird kräftig am Equipment gerüttelt und auf die Schlagzeugfelle gedroschen. Also mit 100 Kabel-Knoten quer Feld ein durch Elektro-Irrsinn, Dubstep und analogen Glitch.
Wo z.B. Squarepusher auf die kreative Kraft der digitalen Verschiebung und des Zufalls setzt, labt sich ExChampion am knisternden 4-Spurklang seines Aufnahme-Recorders und spannt nochmal die Felle seines Schlagzeugs nach. Denn, und das hört man vor Allem der Debüt-EP »To Aurora« an, alle Drums und viele Basslinien sind von Hand eingespielt. Das sorgt für einen etwas rumpeligen, aber charakteristischen Sound. Außerdem scheinen immer wieder rätselhafte, traditionelle Elemente durch. Oder ist das an den Sollbruchstellen der Songs nicht ein Sample aus »Brothers In Arms« von den Dire Straits? So stehen handgemachte Sound unkommentiert neben digitalem Wahnsinn.
Die jüngste EP »Attaboy Ben! Pt.1« wirkt in diesem Punkt weniger brüchig, der Mix klingt ein weniger polierter und die Songs rasen schlüssiger vom Ohr ins Stammhirn. Rhythmische Finesse wird auch hier groß geschrieben. Sie ist aber nachvollziehbarer als das auf der ersten EP des Münsteraners der Fall ist. Beide EPs sind, für sich und auch zusammen genommen, rätselhafte Gebilde, die allerdings einen wahrhaftigen Sog entfalten.


















